Glossar

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A

Abgasverluste

Die Abgasverluste sind der Anteil des → Heizwertes, der über die Energie des heißen Abgases über den Kamin entweicht. Die gesamten Verluste eines → Kessels bestehen aus den Abgasverlusten, den Abstrahlungsverlusten und den Bereitschaftsverlusten.

Abgelenkte Bohrung

Bohrung, die nicht komplett senkrecht nach unten geführt, sondern unterirdisch schräg abgelenkt wird, z. B. um bei einer → Dublette einen ausreichenden Abstand der beiden Zielpunkte zu erreichen.

Ablenkkeil

Bohrtechnisches Hilfsmittel mit einer schrägen Fläche, entlang derer der Meißel in eine vorgegebene Richtung ablenkt wird. Er wird benötigt, um eine Tiefbohrung aus der vertikalen in eine schräge bis horizontale Richtung abzulenken.

Airlift

Lufthebeverfahren zur Förderung des Thermalwassers.

Ankerrohrtour

Auf der Ankerrohrtour wird der → Preventer montiert. Sie wird vollständig bis zu Tage zementiert.

Anschluss- und Wärmeliefervertrag

Im Anschluss- und Wärmeliefervertrag werden alle zwischen Wärmelieferant und Kunden wichtigen Angelegenheiten geregelt, von den Anschlussbedingungen und -kosten über die gegenseitigen Verpflichtungen bis hin zu den Bestimmungen über die laufende Wärmelieferung einschließlich der Kosten und der Preisanpassungen.

Anschlussgrad

Der Anschlussgrad ist der Anteil der → Wärmeabnehmer, die an die Fernwärmeversorgung angeschlossen sind. Der Anschlussgrad kann bezogen sein auf die Zahl der Wärmeabnehmer, auf die Anschlussleistung oder auf die abgenommene → Wärmemenge. Er kann bezogen sein auf eine einzelne Straße, auf eine Siedlung, auf einen ganzen Ort bzw. auf das gesamte Geothermie-Projekt.

Aquifer

Grundwasserleiter; Gesteinskörper oder -schicht, in dessen Hohlräumen Wasser fließt.

Arbeitspreis

Der Arbeitspreis ist der Preis für die abgenommene → Wärmemenge, in der Regel angegeben in Euro/MWh oder in Cent/kWh, dabei gilt 1 Cent/kWh = 10 Euro/MWh.

Artesisch

Zustand, bei dem gespanntes („artesisches“) Grundwasser selbständig oberflächennah austritt. Dies kommt dann vor, wenn ein Grundwasserleiter zwischen zwei undurchlässigen Schichten lagert und die Grundwasserentnahmestelle tiefer als der Grundwasserspiegel im Grundwasserleiter liegt.

B

Basel

Basel liegt im Oberrheingraben, einer tektonisch sehr aktiven Gegend. Bestehende Spannungen in der Erdkruste können dort Schadensbeben erzeugen. Die Stadt Basel wurde im Jahr 1356 durch ein Erdbeben stark beschädigt.

Bergamt

Erdwärme gilt als bergfreier Bodenschatz, die Genehmigungen zur Nutzung obliegt den Bergämtern. Die Bergämter sind üblicherweise den Regierungspräsidien untergeordnet. Sie sind die Ausführungsbehörde für bergrechtliche Explorations bzw. Aufsuchung und bergrechtliche Nutzung von Rohstoffen.

Bergrecht

Unter Bergrecht versteht man die rechtlichen Bestimmungen, die Bodenschätze und den Bergbau betreffen. Die zentrale Rechtsnorm in Deutschland ist das Bundesberggesetz. Tiefe Geothermie unterliegt dem Bergrecht.

Bohrfortschritt

Als Bohrfortschritt wird die Vortriebsgeschwindigkeit des Bohrers bezeichnet, die meist in Metern pro Stunde angegeben wird. Häufig findet sich für den Bohrfortschritt auch die englische Abkürzung à ROP (Rate of Penetration).

Bohrgestänge (drill pipe)

Rohre mit Gewindeanschlüssen an beiden Enden. Ein drill pipe ist etwa 10 m lang.

Bohrklein

Vom Meißel zerkleinerte Gesteinsteile, die mit der → Bohrspülung zutage getragen werden.

Bohrlochausbau

Der mehrschalige Bohrlochausbau mit Voll-Zementierung hat sich bewährt. Überwachung des Druckes im Ringraum zwischen den Rohren der Bohrloch – Auskleidungen ist Stand der Technik und  mittlerweile verpflichtend.

Bohrmeißel

Zerstört das Gestein und verarbeitet es zu Bohrklein. Es gibt zwei Hauptgruppen von Meißeln, die → Rollenmeißel und die Diamantmeißel.

Bohrspülung

Wird im → Bohrgestänge nach unten gepumpt. Dient vor allem zur Stabilisierung des Bohrlochs, der Kühlung des Meißels, nimmt das Bohrklein auf und steigt im Ringraum auf zur Oberfläche.

Brennwert

Brennwert ist die in einer bestimmten Menge Brennstoff enthaltene Energie, die bei der Verbrennung frei wird, einschließlich der Energie, die im Wasserdampf der Abgase enthalten ist. Der Brennwert spielt in der Praxis vor allem bei Erdgas eine Rolle, da nach diesem Wert von den Gasversorgern abgerechnet wird. Der Brennwert von Erdgas liegt um ca. 11 %, der von Heizöl um ca. 7 % höher als der jeweilige → Heizwert. Bei Erdgas muss zum Vergleich mit Heizöl und bei Ansatz von Wirkungsgrad oder → Jahresnutzungsgrad erst mit einem Faktor von 0,9 (= 100 %:111 %) in Heizwert umgerechnet werden. Beispielhaft beträgt der Brennwert von Erdgas der Stadtwerke München ca. 10,2 kWh/m³, der Heizwert demzufolge ca. 9,18 kWh/m³.

C

Casing

Futterrohre. Zur Verhinderung des Einsturzes eines Bohrlochs wird eine Verrohrung in das Bohrloch eingebracht. Da die Rohre einen kleineren Durchmesser haben wie das Bohrloch, wird der Zwischenraum (→ Ringraum) zementiert.

Centralizer

Zentrierkorb für die Verrohrung im Bohrloch.

CO2

Kohlendioxid (CO2) ist eines der Gase, das den → Treibhauseffekt verursacht, durch den die Atmosphäre der Erde immer stärker aufgeheizt wird. Experten führen die immer häufiger auftretenden und immer stärker werdenden Naturkatastrophen auf den durch den Menschen verursachten Treibhauseffekt zurück. CO2 entsteht bei der Verbrennung von → fossilen Brennstoffen für die Raumheizung, die Stromerzeugung und im Verkehr. Nachwachsende Rohstoffe dagegen sind CO2-neutral, die Geothermie ist mit Ausnahme des erforderlichen Pumpenstroms völlig CO2-frei.

D

Drehtisch

In die Bohranlage eingebautes System mit der Funktion, die Drehung auf das Bohrwerkzeug zu übertragen.

Druckwasserspiegel

Der Malmtiefengrundwasserleiter ist ein gespannter Grundwasserleiter. Wird dieser Grundwasserleiter angebohrt, so stellt sich im Ausgleich zum hydrostatischen Druck ein Druckwasserspiegel in der Bohrung ein.

Dublette

Die geothermische Dublette besteht aus zwei Bohrungen. Mit der Förderbohrung wird dem Tiefengrundwasserleiter Thermalwasser entnommen, durch die Reinjektionsbohrung wird das abgekühlte Wasser zur Druckerhaltung wieder in denselben Horizont verpresst.

Durchlässigkeit (Permeabilität)

Hydraulische Leitfähigkeit eines Gesteins (m/s).

E

EEG

Das im April 2000 in Kraft getretene Gesetz für den Vorrang von erneuerbaren Energien (Erneuerbare Energien Gesetz – EEG) sichert Betreibern von Stromerzeugungsanlagen, die ihren Strom aus erneuerbaren Energien gewinnen, eine langfristige Abnahmegarantie.

Eigenstrom

Die Stromerzeugungsanlage deckt ihren Strombedarf selbst. Der Großteil des produzierten Stromes wird ins Stromnetz von "eingespeist".

Einspeisevergütung

Die Einspeisevergütung im Rahmen des EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) bestimmt den Strompreis für die jeweilige Art der regenerativen Energiegewinnung. Die Einspeisevergütung richtet sich nach den Kosten für die jeweilige Erzeugungsart. So wird Strom aus Photovoltaik höher vergütet als z. B. Strom aus Windkraft. Für Strom aus Geothermie beträgt die Vergütung 25,2 Cent pro Kilowattstunde (EEG 2014).

Energie

Energie und Arbeit sind physikalische Größen der gleichen Art, die in → kWh, → MWh oder J (Joule) bzw. kJ gemessen werden, z. B. sind neben der hier besonders interessierenden Wärme auch Strom und Licht Formen der Energie.

Energiemix der Zukunft

Der Energiemix der Zukunft besteht aus erneuerbaren Energiequellen und soll die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen zunehmend ersetzen. Da die verschiedenen Arten der regenerativen Energiegewinnung lokal unterschiedlich gut nutzbar sind (z. B. Windräder bevorzugt an den Küsten, Photovoltaikanlagen in Italien), muss der Bürger damit rechnen, dass Anlagen für die Gewinnung von erneuerbaren Energien auch in der Heimatgemeinde gebaut werden.

Energiesparverordnung (EnEV)

Die seit 24.07.2007 in Kraft befindliche Energieeinsparverordnung EnEV schreibt im Gegensatz zu den Vorgängerregelungen (Wärmeschutzverordnung 1995 und frühere) erstmals nicht nur vor, dass die Außenhülle von Gebäuden bestimmte Anforderungen erfüllen muss, sondern bezieht auch die Anlagentechnik der Beheizung mit ein. So muss für mit klimaschädlichen fossilen Energien oder mit Strom beheizte Gebäude größerer Aufwand für die Wärmedämmung betrieben werden als für solche mit erneuerbaren Energien. Die aktuelle Fassung der Energieeinsparverordnung finden Sie hier.

Energiezentrale

In der Energiezentrale findet die Übertragung der Wärme vom Thermalwasser auf das im → Fernwärmenetz zirkulierende Heizungswasser statt. Dort sind auch die Netzpumpen sowie die Steuerung, Regelung und Überwachung der gesamten Anlagentechnik, der Geothermie-Förderpumpe und des → Nahwärmenetzes mit den → Wärmeübergabestationen bei den → Wärmeabnehmern untergebracht.

EOB

End of Built up; Ende der Aufbaustrecke des Ablenkwinkels bei gerichteten Bohrungen.

Erdwärme

Deutscher Ausdruck für Geothermie.

Erlaubnisfeld

Von den Bergbehörden zugeteiltes Areal, in dem Bodenschätze aufgesucht werden dürfen, häufig auch „Claim“ genannt. Die Aufsuchungserlaubnis beinhaltet noch nicht die Genehmigung zum Abbau der Bodenschätze, hierfür ist eine Bewilligung erforderlich.

Exploration, Vorerkundung

für tiefe Geothermie-Projekte benötigt man umfangreiche Vorerkundung und beste Explorations- und Erschließungstechniken. Mit 2D-Seismik, 3D-Seismik, Geomechanische Modellierung und Analyse von Grundwasserproben auf Tiefenwässer erhält man ein umfangreiches Bild des Untergrundes und eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit.

F

Fazies

Alle Eigenschaften eines Gesteins, die aus seiner Entstehungsgeschichte herrühren, also bei einem Sediment alle Eigenschaften, die es bei seiner Bildung bezüglich seines Aufbaus oder seines Fossilinhaltes erhalten hat.

Fernwärme

Fernwärme ist die leitungsgebundene Versorgung mit Wärmeenergie. Manchmal wird die Fernwärme auch mit → Nahwärme bezeichnet, hier besteht technisch kein Unterschied. Es gibt auch keine definierte Abgrenzung in der Entfernung zwischen Nah- und Fernwärme.

Fernwärmenetz

Das Fernwärmenetz besteht aus in aller Regel in der Erde verlegten Leitungen, über die die Wärme von der Heizzentrale zu den einzelnen Verbrauchern geleitet wird. Das Fernwärmenetz besteht stets aus → Vorlauf und → Rücklauf, die parallel in einem Rohrgraben nebeneinander verlegt werden. Bei Geothermieprojekten kommen meist kunststoffummantelte, gedämmte Stahlrohre zum Einsatz.

Fluid

Flüssige oder gasförmige Erscheinungsform der Materie (im Gesteinsporenraum des tieferen Untergrunds z. B. Wasser, Öl, CO2, Methan etc.).

Flächenbedarf

Ein typisches Geothermie-Kraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 6–7 MWel produziert im Jahresverlauf netto etwa 35 GWh Strom – und dies auf einer Fläche von etwa einem Hektar (100 m auf 100 m). Die gleiche Strommenge könnten etwa 10 Windräder der 2 MW Klasse produzieren, wobei diese etwa 2 Quadratkilometer = 200 Hektar Fläche benötigen würden. Der Maisanbau für Biogas würde eine Fläche von etwa 25 Quadratkilometer = 2.500 Hektar benötigen. Der Flächenbedarf eine Solaranlage dieser Leistungsklasse liegt bei etwa 2 Quadratkilometern.

Formation

Allgemeiner Begriff für das zu erbohrende Gestein.

Fracking

Aufbrechen von Gestein unter hydraulischem Druck. Wird in unseren Projekten nicht angewendet

Fossile Brennstoffe

Fossile Brennstoffe sind Brennstoffe, die sich nicht erneuern, d. h. Heizöl, Gas und Kohle. Im Gegensatz dazu regenerieren oder erneuern sich Energiequellen wie Sonne, Wasser, Wind, Biomasse und Geothermie immer wieder in relativ kurzen Zeiträumen, sie heißen deshalb auch erneuerbare oder → regenerative Energien.

G

Gelochter Liner

Stützrohr in der Filterstrecke, das die Stabilität des Bohrlochs im Grundwasserleiter sicherstellt.

Geothermischer Gradient

Zunahme der Temperatur pro 100 Meter Tiefe. Als Faustregel gilt ca. 3 °C pro 100 Meter.

Gespanntes Grundwasser

Im Gegensatz zum freien Grundwasser wird das gespannte Grundwasser durch wasserundurchlässige Schichten überlagert, sodass der hydrostatische Druckausgleich nicht stattfinden kann.

GOK

Geländeoberkante

Grundlast

Als Grundlast bezeichnet man den Stromverbrauch, der während eines Tages nicht unterschritten wird und immer benötigt wird. Die Höhe des Grundlaststromes in einem Netz wird von den Dauerverbrauchern wie z. B. Industriekunden, welche auch nachts produzieren, bestimmt.

Grundpreis

Der Grundpreis entsteht für die Bereitstellung der → Leistung für den Wärmebezug, für Wartungs- und Instandhaltungs- sowie Mess- und Abrechnungskosten, etc. und ist unabhängig von der abgenommenen Wärmemenge. Er bemisst sich ausschließlich nach der bestellten und im → Wärmeliefervertrag vereinbarten Wärmelieferleistung.

Grundwassermonitoring

Für die Deutsche ErdWärme GmbH ist die vorrangige Zielstellung, dass die Sicherheit der Bevölkerung sowie der Grundwasserschutz und damit auch die Dauerhaftigkeit und die Dichtigkeit der Tiefbohrungen an erster Stelle stehen müssen. Deshalb werden über behördliche Auflagen hinausgehend Grundwassermessstellen im Umfeld der jeweiligen Bohrungen abgeteuft. Damit können wir die Integrität der Bohrungen überwachen. Mögliche Leckagen werden mit dieser Methode sehr schnell erkannt

H

Hakenlast

Verfügbare Hebelast der Bohranlage.

Hausanschluss

Der Hausanschluss ist der Teil des → Fernwärmenetzes, der von der Hauptleitung in der (im Regelfall) öffentlichen Straße bis zur → Wärmeübergabestation im Keller führt und auch diese umfasst. Er steht und verbleibt meist im Eigentum, in der Verantwortung und in der Wartungs- bzw. Instandhaltungsverpflichtung des Energieanbieters. Die Wartung und die Instandhaltung der Hausanschlussleitungen bis zur Wärmeübergabestation und einschließlich dieser sind meist im → Grundpreis enthalten und fallen dem Kunden auch bei erhöhtem Aufwand nicht zur Last, was einen deutlichen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber anderen Beheizungsarten darstellt.

Hausanschlusskosten (HAK)

Die Hausanschlusskosten (HAK) dienen zur ganzen oder teilweisen Abdeckung der Kosten für den → Hausanschluss. Es dürfen nach der → AVBFernwärmeV maximal 100% dieser Kosten umgelegt werden. In den pauschalisierten HAK sind 15 m Hausanschlussleitung von der Grundstücksgrenze bis zur → Wärmeübergabestation enthalten. Zusätzlich können Kosten für Mehrlängen und Erschwernisse, z.B. befestigte Flächen, entstehen.

Hebesystem

Es besteht aus Hebewerk, Kronenblock, Flaschenzug und Bohrhaken. Es ist so dimensioniert, dass es die maximalen Hakenlasten beim Einbau der schwersten Verrohrungstour bewältigen kann.

Heizwert

Heizwert ist die in einer bestimmten Menge Brennstoff enthaltene Energie, die bei der Verbrennung fei wird, ohne die Energie, die im Wasserdampf der Abgase enthalten ist. Der Heizwert ist die 100%-Basis für → Verluste, Wirkungsgrade und → Jahresnutzungsgrade. Den Brennwert von Erdgas, nach dem abgerechnet wird, erhält man durch Multiplikation mit einem Faktor von 1,11. Beispielhaft beträgt der Heizwert von Erdgas der Stadtwerke München ca. 9,18 kWh/m³, der von Heizöl ca. 10 kWh/Ltr.

Hot Dry Rock (HDR)

Methode zur Wärmegewinnung aus heißem, nicht Wasser führendem Gestein.

Hydrothermale Geothermie

Bei hydrothermaler Geothermie wird heißes Thermalwasser, welches im Untergrund in Klüften, Poren oder Rissen im Gestein fließt, an die Oberfläche befördert und die darin enthaltene Energie entnommen. Das im Untergrund vorhandene Thermalwasser zirkuliert zwischen zwei weit auseinanderliegenden Brunnen über vorhandene natürliche Grundwasserleiter. Siehe auch Aquifere.

I

Indizierte Seismizität, Mikrobeben

Einzelne Geothermie-Kraftwerke im Oberrheingraben haben in der Vergangenheit spürbare Mikroseismizität ausgelöst. Induzierte Seismizität hängt unter anderem mit dem Druck bei der Rückführung des Wassers zusammen. Zu nennenswerten Schäden ist es dabei nicht gekommen. Die Deutsche ErdWärme wird das seismische Risiko auf Basis seismologischer Gutachten einschätzen und entsprechende Vorkehrungen treffen. Dazu gehören die Installation ein seismologisches Messnetz im Umfeld der jeweiligen Standorte und ein entsprechendes Reaktionsschema. Wir sind überzeugt, dass sich bei Anwendung der neuesten Erkenntnis aus der Erforschung induzierter Seismizität im Oberrheingraben die Seismizität auf ein nicht spürbares Minimum reduzieren lässt. Wichtig sind die optimale Platzierung der Bohrlandepunkte, Bohrungen, die gut mit dem Reservoir verbunden sind, eine gute „Fündigkeit“ aufweisen, sowie eine schonende und nachhaltige Betriebsweise der geothermischen Anlage.

Injektion

Verbringung des abgekühlten Thermalwassers in den tiefen Untergrund, häufig auch als Re-Injektion bezeichnet. In Deutschland ist die Rückführung des geförderten Thermalwassers nach dessen Nutzung gesetzlich vorgeschrieben.

J

Jahreskosten Wärme

Zu den jährlichen Wärmekosten (Jahreskosten Wärme) gehören neben den Verbrauchskosten (Brennstoff und Strom) auch die → Kapitalkosten (Zins und Tilgung bzw. Abschreibung der Investition oder Ansparung für Reinvestition), die Betriebskosten (Wartung, Instandhaltung, Kaminkehrer, Bedienung, etc.) sowie sonstige Kosten (Verwaltung, Versicherung, Sonstiges). Diese zusätzlichen Kosten müssen bei dem Kostenvergleich zwischen herkömmlichen Beheizungsarten und der Geothermie, bei der die bezogene Wärme bereits als „Fertigprodukt“ eingekauft wird, stets berücksichtigt werden.

Jahresnutzungsgrad

Der Jahresnutzungsgrad ist der Anteil des im Brennstoff enthaltenen Heizwertes, der nach der Umwandlung hinter dem Wärmeerzeuger (z. B. Öl- oder Gaskessel) als → Nutzenergie bzw. Nutzwärme zur Verfügung steht, und zwar im Durchschnitt bezogen auf ein ganzes Jahr. Die Differenz zwischen eingesetztem → Heizwert und der Nutzwärme sind die → Verluste, die sich aus den über den Kamin entweichenden → Abgasverlusten, den Abstrahlungsverlusten des Kessels und den Betriebsbereitschaftsverlusten zusammensetzen. Der Jahresnutzungsgrad ist erheblich kleiner als der → Wirkungsgrad.

K

Kapitalkosten

Kapitalkosten sind die für eine Investition aufgewendeten jährlichen Zins- und Tilgungsbeträge bzw. Abschreibungen. Man kann stattdessen auch die Ansparraten für eine zukünftige Reinvestition einer gleichartigen Anlage ansetzen.

Karbonate

Gesteine, die durch biologische (Absterben von Organismen) und biochemische Vorgänge (Ausfällung von Calciumkarbonat (CaCO3) aus dem Meerwasser) gebildet und sedimentiert werden.

Karst

Karst bildet sich in Gesteinen, die leicht chemisch angreifbar, d.h. löslich sind. Dies sind vor allem Karbonate.

Kf-Wert

Durchlässigkeitsbeiwert; Parameter, der die hydraulische Durchlässigkeit des Grundwasserleiters mit dem Medium Wasser beschreibt (in m/s).

Kick-Off-Point (KOP)

Beginn der Ablenkstrecke bei einer gelenkten Bohrung.

Kilowatt (kW)

Kilowatt, eine Maßeinheit für die → Leistung 1 kW = 1.000 W, 1.000 kW = 1 MW

Kilowattstunde (kWh)

Kilowattstunde, eine Maßeinheit für die → Energie 1.000 kWh = 1 MWh, 1 kWh = 3,6 kJ = 3.600 J (Joule)

Kreide (kru, kro)

Periode des Erdmittelalters (eingeteilt in Unter- und Oberkreide).

Kristallin

Meist magmatische oder metamorphe Gesteine; das kristalline Grundgebirge unterhalb Münchens besteht aus Graniten bzw. Gneisen des varizischen Gebirges, das vor etwa 350-280 Millionen Jahren gebildet wurde.

L

Landepunkt

Ein Punkt im Raum, der im Bohrlochverlauf erbohrt wird und an dem die Bohrung gestoppt wird.

Liner

Verrohrung, die nicht bis zutage geführt ist, sondern in einer bereits abgesetzten Rohrtour mit einem Linerhänger (dichtende Abfangvorrichtung) eingebaut wird.

Lithologie

Gesteinskunde (griech.: lithos = der Stein). Sie befasst sich mit der chemischen und physikalischen Beschaffenheit der Gesteine, ihren Eigenschaften und ihrer Zusammensetzung aus einzelnen Mineralien, sowie mit ihrer Körnung und teilweise der Kristallstruktur. Ein wichtiges Teilgebiet ist die Sedimentpetrografie und die Bodenphysik.

LSP-line shaft pump

Eine Tiefpumpe, deren Motor an der Oberfläche montiert ist und über ein Gestänge die Pumpe in 300 bis 600m Tiefe antreibt.

M

Malm

Jüngster Zeitabschnitt des Jura; auch Oberer Jura oder Weißer Jura genannt. Erschließungsziel fast aller Geothermiebohrungen im → Molassebecken.

Mächtigkeit

Bezeichnung für die Dicke eines Gesteinspakets.

MD

Measured Depth (gemessene Tiefe / Bohrstrecke)

Megawatt (MW)

Megawatt, eine Maßeinheit für die → Leistung 1 MW = 1.000 kW

Megawattstunde (MWh)

Megawattstunde, eine Maßeinheit für die → Energie 1 MWh = 1.000 kWh, 1 MWh = 3.600 kJ (Kilojoule)

Molasse

Regionalgeologische Bezeichnung für die tertiären Sedimentschichten des nördlichen Molassebeckens der Alpen; sie besteht aus klastischen Sedimenten, dem Abtragungsschutt der Alpen.

Mudlogging

Erfassung der bohr- und spülungstechnischen Daten in Echtzeit. Die Daten werden für unmittelbare Maßnahmen und Planung des aktuellen Bohrbetriebs sowie für die geowissenschaftliche Interpretation zur Verfügung gestellt.

N

Nahwärme

Nahwärme und → Fernwärme sind technisch und juristisch das Gleiche, bei kleineren Nahwärmeversorgungsgebieten spricht man von Nahwärme. Eine exakte Grenze ist nicht definiert, siehe → Fernwärme.

Nahwärmenetz

Nahwärmenetz und → Fernwärmenetz sind technisch und juristisch das Gleiche, bei kleineren bzw. kürzeren Netzen spricht man von Nahwärmenetzen. Eine exakte Grenze ist nicht definiert, siehe → Fernwärmenetz.

Netzverluste

Durch die Übertragung der Wärme von der → Energiezentrale bis zu den → Wärmeabnehmern über ein Nah- oder → Fernwärmenetz entstehen durch die wegen der Dämmung zwar geringe, gleichwohl vorhandene Wärmeabstrahlung der Fernwärmerohre (Vor- und → Rücklauf) Wärmeverluste, sogenannte Netzverluste. Der dadurch entstehende Temperaturverlust ist im Winter vernachlässigbar, im Sommer beträgt er nur wenige Grad.

Nutzenergie

Die Nutzenergie, im vorliegenden Fall die Nutzwärme, ist die Wärme, die zur Beheizung des Hauses und der Warmwasserbereitung notwendig ist. Diese wird am Ausgang der Wärme-Übertragungsstation als „Fertigprodukt“ zur Verfügung gestellt. Bei der Fernwärmeversorgung bezahlt der Kunde lediglich die Nutzenergie, die Verluste entstehen vor der Wärmemessung.

O

Oberrheingraben

Der Oberrheingraben liegt in Südwest-Deutschland und Ost-Frankreich zwischen Basel und Frankfurt am Main. Er erscheint oberflächlich als eine 300 km lange und 30 bis 40 km breite Tiefebene (Oberrheinebene), die allseitig von scharf begrenzten Bergen umgeben wird. Der Oberrheingraben ähnelt einer riesigen Wanne. Der Rhein durchfließt die Tiefebene in ihrer vollen Länge. Er wird in diesem Flussabschnitt Oberrhein genannt. Im Norden hat der Rhein das tiefe Mittelrheintal in das Rheinische Schiefergebirge geschnitten.

Es handelt sich bei dieser Struktur um eine grabenartige Einsenkung der Erdkruste. Die Erdkruste wurde hier gedehnt, gespaltet und schließlich etwa 5 bis 7 km auseinander gezerrt. Bei der Auseinander-Zerrung freiwerdender Platz wurde sofort durch Nachrutschen benachbarter Gesteinsschollen aufgefüllt. Die Ursachen der Grabenbildung liegen im Innern der Erde. Der Graben hat sich stellenweise bis zu 3,5 Kilometer tief eingesenkt, jedoch wurde diese Absenkung weitgehend durch die Auffüllung mit Sedimenten ausgeglichen. Die randlichen Berge wurden entgegengesetzt zum Graben bis zu 2,5 Kilometer angehoben, jedoch hat starke Abtragung der Gebirge diesen Aufstieg oberflächlich verringert. Die Einsenkung begann vor etwa 45 Millionen Jahren in der Mittel-Eozän-Zeit und dauert bis heute an.

Ökobilanz

Geothermie hat gute Ökobilanz. Hierbei werden die Umwelteffekte über den gesamten Lebensweg der Anlagen - Bau, Betrieb, Abriss und Nachsorge - und mit sämtlichen relevanten vor- und nachgelagerten Prozessen bilanziert. Dies schließt die Produktion benötigter Stoffe ebenso ein wie anfallende Transporte, Bereitstellung benötigter Infrastruktur und Dienstleistungen (Planung, Instandhaltung usw.). Durchgeführt wurde die Analyse vom Institut für Energetik (Kaltschmitt et al. 2009) im Auftrag des Deutschen Bundestages (TAB Studie). Die Ergebnisse waren sehr ermutigend. Der Bundestag beschloss auch aus diesem Grund, die Entwicklung der Tiefen Geothermie zu fördern. Die Stromerzeugung aus Tiefer Geothermie in Verbindung mit einer Wärmeauskopplung wird beim Primär-Energieverbrauch nach der Ökobilanz-Methode mit CO2 Äquivalenten von 21 t/GWh hier etwa auf das gleiche Niveau wie die Wasserkraft mit 17 t/GWh gestellt. Zum Vergleich: Windenergie kommt auf 48 t/GWh und Photovoltaik auf 235 t/GWh. In diesem Vergleich wird die CO2 Belastung über die gesamte Kette von der Gewinnung über den Transport der Energie vom Entstehungsort bis zum Endkunden oder zur Stromerzeugung betrachtet

P

Permeabilität

Durchlässigkeit des Gebirges, der Gesteine im Untergrund

PDC Meißel

Mit künstlichen Diamanten besetzter Bohrmeißel. PDC = polycrystalline diamond compact cutter

Preisgleitklausel

Die Energielieferanten können die Preise der Wärmelieferung nicht beliebig oder nach eigener Kalkulation verändern und den gestiegenen Kosten anpassen, sondern ist an eine im Preisblatt vertraglich vereinbarte Preisgleitklausel gebunden. Dies ist eine Formel, nach der an Hand von durch das Statistische Bundesamt veröffentlichten Zahlen jährlich zum 1. Oktober eine Preisanpassung erfolgt.

Preventer

Der Blow-Out-Preventer ist eine besonders wichtige Schutzvorrichtung an Bohrstellen, die das Einschließen einer unter Druck stehenden Bohrung ermöglicht.

Primärenergie

Primärenergie ist die in Ergas, Heizöl, Kohle, Uran oder anderen Brennstoffen enthaltene Energie, die erst durch entsprechende Umwandlung unter Verlusten in nutzbare Energie umgewandelt wird.

Pumpversuch

Förderung des (Thermal)wassers zur Ermittlung der Leistungsfähigkeit der Bohrung.

Q

Quartär

Oberste jüngste Gesteinsschichten,  z.B. Ablagerungen von Kies im Rheintal.

R

Radioaktivität

Thermalwässer im Oberrheingraben können in Abhängigkeit der geologischen Rahmenbedingungen und der Tiefenlage der jeweiligen geologischen Zielhorizonte sehr geringe Anteile von radioaktiven Elementen enthalten. Die beobachteten Konzentrationen liegen – wenn überhaupt - nicht nennenswert über der natürlichen und somit normalen Umgebungsstrahlung. In den Anlagenbauteilen der Wärme- und Stromerzeugungsanlage können sich diese Elemente konzentrieren, zum Beispiel in den Rohren der Wärmetauscher. Diese sehr leicht radioaktiven Stoffe werden bei Bedarf bei standardmäßigen Revisionen der Anlage entfernt und fachgerecht entsorgt. Pro Jahr können je nach Standort keine bis wenige Kilogramm dieser Stoffe anfallen.

Redundanz

Bei einer Fernwärmeversorgung ist die → Versorgungssicherheit oberstes Gebot. Um zu verhindern, dass angeschlossene → Wärmeabnehmer nicht mit der notwendigen Wärme versorgt werden können, müssen wichtige Teile redundant ausgelegt werden, d. h. mehrfach und voneinander unabhängig vorhanden sein. So ist z. B. die → Leistung, die aus der geothermischen Wärmeerzeugung stammt, auf jeden Fall in Form von herkömmlichen Wärmeerzeugern nochmals vorhanden (Redundanz, Reservelast). Ferner sind z. B. auch die Netzpumpen und die Wärmetauscher in der Energiezentrale redundant ausgelegt.

Regenerativ

Regenerativ heißt erneuerbar. Regenerativ sind Energieträger dann, wenn sie nicht verbraucht werden, sondern sich immer wieder neu bilden. Hierzu zählen z. B. Solarenergie, Windenergie, Wasserkraft, nachwachsende Rohstoffe und natürlich auch die Geothermie.

Regionale Wertschöpfung

Regenerative Energien werden in aller Regel in der Nähe ihrer Erzeugung auch verbraucht. Fossile Energieträger (Erdgas, Heizöl, Kohle, Uran, etc.) müssen nahezu ausschließlich aus dem Ausland importiert werden. Die Verwendung von regenerativen, d.h. in aller Regel auch heimischen Energien führt daher zwangsläufig zu einer regionalen Wertschöpfung und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in der Gemeinde und in der Region.

Reinjektion

Verpressung des nach seiner thermischen Nutzung abgekühlten Thermalwassers in den tiefen Untergrund.

Reservoir-Lebensdauer

Unsere Urenkelkinder werden bestimmt noch Strom und Wärme beziehen können. Wärmetransportmodelle ergeben selbst nach Nutzungszeiträumen von 50 und mehr Jahren keine nennenswerten Abkühlungen, die einem langfristigen Weiterbetrieb der Anlagen nach energetischen und wirtschaftlichen Kriterien entgegenstehen würden. Es gibt weltweit hunderte von Anlagen zur Erzeugung geothermischer Energie. Bis heute sind bei laufenden Anlagen noch keine oder keine nennenswerten Abkühlungen eingetreten. Geothermie-Anlagen laufen im Pariser Becken zum Teil seit über 40 Jahren ohne eine erkennbare Abnahme der Fördertemperaturen.

Richtbohren

Mit Richtbohren (englisch directional drilling) bezeichnet man ein Verfahren, das es ermöglicht, nicht nur vertikal (in die Tiefe), sondern auch horizontal zu bohren. Die heute bestimmende Einsatzmöglichkeit besteht darin, von einem Punkt aus in mehrere Richtungen zu bohren.

Ringraum

Raum zwischen Bohrlochwand und à Bohrgestänge oder Verrohrung, in dem die → Bohrspülung oder der Zement aufsteigt.

Rohrschuh (RS)

Gerundete Betonnase am unteren Ende der Verrohrung. Dient als Führung beim Einbau der Verrohrung. Rohrschuh und Zement müssen nach Zementieren der Verrohrung aufgebohrt werden, ehe die Bohrlochsohle wieder erreicht wird.

Rollenmeißel

Neben den Diamantmeißeln eine der Hauptgruppen von Bohrmeißeln. Die Art des eingesetzten Meißels hängt vom zu bohrenden Gestein ab und ist entscheidend für die Bohrgeschwindigkeit.

ROP

Rate of Penetration (Bohrfortschritt).

RSS

Rotary Steering System, ein Richtbohrsystem, welches automatisiert und über Computer gesteuert den eingestellten Bohrpfad abbohrt. Durch die ständigen Korrekturen im Millimeter-Bereich entsteht ein sehr maßhaltiges und gerades Bohrloch. Dies hat Vorteile beim Einbringen der Stahlrohre (kein Verklemmen) und beim Zementieren (Der Ringraum zwischen dem Stahlrohr und dem Gebirge ist immer gleichmäßig und maßhaltig). Diese Systeme sind seit dem Jahr 2010 in der Geothermie in Deutschland im Einsatz. Sie beschleunigen den Bohrfortschritt und reduzieren den Meißelverschleiß.

Rücklauf

Das → Fernwärmenetz verbindet jeden → Wärmeabnehmer über zwei Rohrleitungen mit der Heizzentrale. Über den Vorlauf wird das heiße Wasser von der Heizzentrale in die einzelnen Gebäude gepumpt, in der → Wärmeübergabestation abgekühlt und die Wärme auf das gebäudeinterne Heiznetz übertragen. Anschließend wird das abgekühlte Heizungswasser über den Rücklauf des Fernwärmenetzes wieder zur Heizzentrale zurückgeleitet.

Ruhewasserspiegel

Statischer Grundwasserspiegel in der Bohrung (z.B. nach Pumpenstop); im Gegensatz zum dynamischen Spiegel bei Pumpenbetrieb.

S

Sammelbohrplatz

Bohrplatz, von dem aus sowohl Förderbohrung als auch Reinjektionsbohrung abgeteuft werden. Der Einsatz des Richtbohrverfahrens gewährleistet den nötigen horizontalen Abstand zwischen den Bohrungen.

Säuern

Versetzen der Bohrung mit Säure nach Beendigung der Bohrarbeiten, um durch Auflösen des Gesteins die Wasserwegsamkeiten zu erhöhen und somit die Leistungsfähigkeit der Bohrung zu verbessern.

Schallausbreitung beim Betrieb der Bohranlage

Da heutige Bohranlagen mit Elektro-Motoren angetrieben werden, ist von Tief-Bohrungsarbeiten nur sehr wenig zu hören.

Seismisches Monitoring

Das seismisches Netzwerk für Detektion der Ursache im Untergrund (Emission) und Messung der Wirkung an der Oberfläche (Immission) ist heute Stand der Technik und  mittlerweile verpflichtend. Dazu gehört ein definiertes Reaktionsschema auf induzierte Seismizität.

Staufen

Nach oberflächennahen Erdwärme-Bohrungen ist es in einer Tiefe von etwa 60 Metern zu Bodenerhebungen in Staufen (Breisgau) gekommen. Die Bodenhebung in Staufen kam durch eine Schicht des Minerals Anhydrit im Boden zustande, die durch das Eindringen von Grundwasser aus flachen Schichten aufgequollen ist. Bei Tiefen Erdwärmebohrungen wird über das Standrohr der Grundwasserleiter hermetisch von der Bohrung getrennt.

 

Schlagscheren

Werden im Bohrstrang eingebaut, können heftige Schläge auslösen um den Bohrstrang zu befreien, falls er festsitzt.

Schwerstangen

Sind besonders schwere Bohrstangen, die möglichst weit unten im Bohrstrang eingebaut werden. Sie haben die Funktion, den Bohrstrang oberhalb auf Zug zu halten und drücken gleichzeitig den Meißel unterhalb ins Gestein.

Sedimentation

Ablagerung von Gesteinspartikeln; es entstehen die Sedimente.

Seismik

Geophysikalische Erkundungsmethode des Untergrundes unter Verwendung von seismischen Wellen, die künstlich durch Sprengungen oder Vibratoren erzeugt werden. Moderne 3-D-Seismik ermöglicht plastische Modelle des Untergrundes und ist ein wichtiges Prognoseinstrument vor der Entscheidung für Geothermiebohrungen.

Sondenkopf (Wellhead)

Vorrichtung, an der abschließend sowohl Thermalwasserleitung als auch Systemelemente angeschlossen werden.

Spitzenlast

Die Spitzenlast oder Spitzenleistung ist die über die → Grundlast hinausgehende → Leistung zur Abdeckung des Spitzenbedarfs an kalten Wintertagen. Durch Bereitstellung der Spitzenlast, die bezogen auf die Energiemenge nur wenige Prozent beträgt, kann die Geothermie-Wärme der Grundlast deutlich besser ausgenutzt werden, was sowohl ökologisch als auch ökonomisch erhebliche Vorteile bringt.

Spitzenlast-Heizwerk

Das Spitzenlast-Heizwerk stellt die an kalten Wintertagen benötigte Spitzenleistung (Spitzenlast) bereit. Das Spitzenlast-Heizwerk kann aus Gründen der → Versorgungssicherheit nur mit Erdgas oder Heizöl betrieben werden. Aus wirtschaftlichen Gründen ist regelmäßig ein Heizöl-Kessel vorzuziehen. Dies ist auch aus ökologischen Gründen verantwortbar, weil das Spitzenlast-Heizwerk nur wenige Prozent der jährlichen Wärmeerzeugung abdeckt.

Spülung

Die Bohrspülung hat mehrer Funktionen im Bohrbetrieb:

  • Sie kühlt den Bohrmeißel
  • Sie schmiert dem Bohrmeißel und den Bohrstrang und verhindert so übermäßigen Verschleiß
  • Sie stabilisiert das Bohrloch
  • Sie dichtet das Bohrloch temporär gegenüber dem Gebirge ab (bis Stahlrohre und Zementierung dies übernehmen)
  • Sie trägt das Bohrklein aus dem Bohrloch heraus,
  • Sie treibt die untertägigen Bohrmotoren an

Stabilisatoren

Geben dem Bohrstrang eine definierte Führung im Bohrloch. Da der Bohrstrang einen kleineren Durchmesser hat als das Bohrloch würde er sonst unkontrolliert im Bohrloch hin und her schlagen.

Standrohr

Rohr das beim Bohrplatzbau eingebaut wird und das durch die obersten Gesteinsschichten führt (meist Quartär/Lockergesteine); dient der Abdichtung der obersten Gebirgsschichten und Grundwasserleitern.

Störung

Stelle, an der das ursprüngliche Gefüge eines Gesteins gestört ist, meist durch Verschiebung größerer Gesteinspakete gegeneinander. Geologische Störungen im Malmkarst werden als Zielpunkte von Geothermiebohrungen angestrebt, da hier ein besonders starker Fluss von Tiefengrundwasser herrscht.

Stoßdämpfer

Werden häufig zum Schutz vor Vibrationen und Schlägen in den Bohrstrang eingebaut, meist handelt es sich um starke Federpakete oder hydraulische Zylinder.

T

Tauchkreiselpumpe (TKP)

Spezielle Pumpe zur Förderung des Thermalwassers.

Teufe

Bergmännischer Ausdruck für Tiefe, z. B. für die Länge bzw. Tiefe einer Bohrung, eines Schachtes usw.

Thermalwasser

Wasser, das signifikant wärmer ist als das umgebende Grundwasser.

Tiefengrundwasserleiter

Grundwasserleiter, dessen Wasservorkommen durch weiträumige Überdeckung mit minderdurchlässigen Schichten nicht unmittelbar durch Infiltration von der Oberfläche beeinflusst wurden.

Top Drive

Am Kranhaken befindlicher Antrieb, der den → Bohrstrang in Rotation versetzt (anstelle des Drehtisches).

Treibhauseffekt

In der Erdatmosphäre enthaltene sogenannte Treibhausgase (u.a. → CO2, Methan, FCKW, aber auch Wasser u.a.) führen zu einer Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur auf der Erde. Diesen durch den Menschen verstärkten Effekt nennt man Treibhauseffekt.

TVD

True Vertical Depth (vertikale Tiefe).

Tripping

Das Einfahren und Ausfahren des Bohrstranges in das Bohrloch bezeichnet man tripping. Da man zum Wechsel der Bohrmeißel den kompletten Bohrstrang aus dem Bohrloch ziehen muss sind schnelle "trippings" sehr wichtig, um effizient zu bohren.

U

Umweltschutz

Bei einer Tiefbohrung, sei es bei einer Bohrung nach Öl, Gas oder auch nach geothermischen Energiequellen, werden von den zuständigen Bergbaubehörden äußerst strenge Sicherheits- und Umweltauflagen eingefordert und auch kontrolliert.
Über ein Betriebsplanverfahren werden alle erforderlichen sicherheitstechnischen, naturschutzfachlichen und wasserwirtschaftlichen Fragestellungen geprüft.
So muss eine Bohrstelle (ähnlich wie eine Tankstelle) durch bauliche Maßnahmen so abgesichert werden, dass weder Wasser, Öl, noch andere Stoffe in das Grundwasser oder in die Umgebung gelangen können. Dazu wird für den Bohrplatz meist ein komplettes Ablaufsystem mit Auffangbecken und Abscheidern installiert.
Entstehende Abwässer und Bohrklein werden regelmäßig auf die Zusammensetzung geprüft und über Entsorgungsunternehmen entsprechend der Umweltauflagen entsorgt.

UVS - Umweltverträglichkeitsstudie

Bei diesem gesetzlich vorgeschrieben Prüfungsverfahren werden die unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen eines Vorhabens (Bohrplatz, Bau eines Gebäudes, etc.) auf die Umwelt beschrieben, festgestellt und bewertet.

V

Verbrauchskosten

Zu den Verbrauchskosten gehören vor allem die Brennstoff- und die notwendigen Stromkosten.

Verluste

Bei jeder Energieumwandlung und -übertragung entstehen Verluste. Bei Wärmeerzeugern wird dies durch Werte < 100 % bei Wirkungsgrad (bezüglich der → Leistung) und → Jahresnutzungsgrad (bezüglich der → Wärmemenge) dargestellt. Das → Fernwärmenetz ist auch mit Verlusten behaftet, die sich durch die Abstrahlung der Rohre im Erdboden ergeben, sie sind jedoch mit ca. 2 % bezogen auf die Leistung und ca. 9 % bezogen auf die Wärmemenge sehr gering.

Versicherung

Die Deutsche ErdWärme wird vor Beginn der Explorationstätigkeiten bzw. der Bau- oder Bohrtätigkeiten eine bergrechtliche Haftpflicht-Versicherung abschließen. Da ab Herbst 2015 die Beweislastumkehr im Bohrlochbergbau gilt, wird in Zukunft der Betreiber nachweisen müssen, dass eventuelle Schäden nicht von ihm verursacht worden sind. Damit hat der Gesetzgeber eine schadensrechtlich sehr komfortable Position für die Bürger in der nahen und weiteren Umgebung der Projekte geschaffen.

Versorgungssicherheit

Die Versorgungssicherheit ist einer der wichtigsten Aspekte einer Fernwärmeversorgung. Die technische Versorgungssicherheit der Fernwärmeversorgung bei den meisten Geothermieprojekten besteht darin, dass alle wesentlichen Bestandteile des Systems → redundant ausgelegt sind. Hierzu zählen die Wärmeerzeuger, da neben der Geothermie die komplette Versorgungsleistung auch noch durch einen herkömmlichen Ölkessel abgesichert ist, ebenso die → Wärmetauscher und die Netzpumpen in der → Energiezentrale. In politischer Hinsicht ist Versorgungssicherheit dadurch gegeben, dass man bei der Geothermie-Fernwärmeversorgung von Brennstofflieferungen aus dem Ausland weitestgehend unabhängig ist, weil es sich bei der Geothermie um eine heimische, gemeindeeigene Energiequelle handelt, sodass politische Krisen und Kriegshandlungen in anderen Teilen der Welt die Wärmeversorgung Unterföhrings nicht beeinflussen. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit besteht Versorgungssicherheit dadurch, dass die Geothermie eine → regenerative und damit eine – jedenfalls nach menschlichen Maßstäben – unerschöpfliche Energiequelle ist.

Vollbenutzungsstunden

Die Vollbenutzungsstunden (VBh, auch Benutzungsstunden oder Volllaststunden) eines Wärmeerzeugers bzw. eines → Wärmeabnehmers errechnen sich als Quotient von jährlicher → Wärmemenge und maximaler → Leistung. Sie sind die Zeit eines Jahres, die ein Wärmeerzeuger mit voller Leistung laufen müsste, um die entsprechende Wärmemenge zu erzeugen. Die VBh sind ein Maß für die Ausnutzung bzw. für die Auslastung des Wärmeerzeugers. Durch die Installation eines Spitzenlast-Heizwerkes kann die Zahl der Vollbenutzungsstunden der Geothermie von ca. 2.000 auf 6.000 bis 8.000 Stunden pro Jahr erhöht werden.

Vorlauf

Das → Fernwärmenetz verbindet jeden → Wärmeabnehmer über zwei Rohrleitungen mit der Heizzentrale. Über den Vorlauf wird das heiße Wasser von der Heizzentrale in die einzelnen Gebäude gepumpt, wobei in der Wärmeübergabestation die Wärme auf das gebäudeinterne Heiznetz übertragen wird.

 

W

Wartung

Zur Wartung gehören Überwachung und Pflege, Reinigung der Anlage und des Betriebsraumes sowie die regelmäßige Inspektion der Anlagenteile. Die Wartung und die Instandhaltung der Hausanschlussleitungen bis zur und einschließlich der → Wärmeübergabestation sind im → Grundpreis enthalten und fallen dem Kunden auch bei erhöhtem Aufwand nicht zur Last, was einen deutlichen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber anderen Beheizungsarten darstellt.

Wärmeabnehmer

Wärmeabnehmer sind alle Kunden des Wärmelieferanten, die an das Nah- bzw. → Fernwärmenetz angeschlossen sind und Wärme aus dem Netz beziehen.

Wärmeübergabestation

Die Wärmeübergabestation ist der Abschluss der Anlagenteile, die meist im Eigentum und in der Wartungs- und Instandhaltungspflicht des Energielieferanten stehen, und stellt einen indirekten Anschluss dar (hydraulische Trennung von Fernwärmenetz und Haus-Heizungsanlage durch einen Wärmetauscher). Sie dient der Übertragung der Wärme vom → Fernwärmenetz auf die Heizungsanlage des → Wärmeabnehmers und besteht aus → Wärmetauscher, einer modernen witterungsgeführten Regelung, Regelventil, → Wärmemengenzähler, Absperrorganen, Schmutzfängern, Fühlern, Rücklauftemperaturbegrenzer, Temperatur- und Druckanzeigen im Vor- und Rücklauf sowie allen sonstigen für die Wärmelieferung und -erfassung notwendigen Rohren und Armaturen. Die im Wärmemengenzähler erfasste Wärmemenge ist Grundlage für die im Regelfall jährliche Abrechnung.

Wärmebedarf

Wärmebedarf ist die für die Beheizung eines Objektes – auch an kalten Tagen – benötigte Wärmeleistung, manchmal auch die → Wärmemenge pro Jahr.

Wärmemenge

Wärmemenge ist eine andere Bezeichnung für Wärmeenergie und wird in Megawattstunden (MWh) gemessen.

Wärmemengenzähler

Der Wärmemengenzähler misst zum Zwecke der Abrechnung die in der → Wärmeübergabestation an den Kunden abgegebene tatsächliche → Wärmemenge. Er wird regelmäßig alle 5 Jahre neu geeicht.

Wärmetauscher

Ein Wärmetauscher oder -übertrager ist immer dann notwendig, wenn Wärme von einem Medium auf ein anderes übertragen werden muss. So gibt es in der → Energiezentrale einen oder (wegen der → Redundanz) mehrere Wärmetauscher, die die Wärmeenergie vom Thermalwasser auf das Heizungswasser im Wärmenetz übertragen. Ein weiterer Wärmetauscher ist das Kernstück der → Wärmeübergabestation beim Wärmeabnehmer. Durch ihn wird die Wärme aus dem Wärmenetz an die Haus-Heizungsanlage übertragen. Dadurch ist gewährleistet, dass keine Wechselwirkungen zwischen Wärmenetz und Haus-Heizungsanlage, z. B. bei Leckagen oder verschmutztem Heizungswasser, auftreten.

Wirkungsgrad

Der Wirkungsgrad eines Prozesses ist das Verhältnis zwischen abgegebener und zugeführter → Leistung. Bei der Wärmeerzeugung im Öl- oder Gaskessel ist dies die Ausgangsleistung (Nennleistung) im Verhältnis zur Brennstoffleistung (oft als Wärmebelastung bezeichnet). Der für wirtschaftliche Vergleiche relevante → Jahresnutzungsgrad ist dabei wesentlich kleiner als der Wirkungsgrad.

X

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Y

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Z

Zementation

Gezieltes Einbringen von Zement in bestimmte Bereiche des Bohrloches, hauptsächlich um die Verrohrung mit dem umgebenden Gestein zu verbinden. Dabei wird der Ringraum zwischen Stahrohren und dem Gebirge mit einer Zementsuspension gefüllt.

Zug

Je nach Bohranlage zwei bis drei Bohrstangen (drill pipes), die schon vor Bohrbeginn miteinander verschraubt werden. Die ca. 20 - 30 m langen Züge stehen auf Vorrat auf der Arbeitsbühne, immer wenn ein Zug abgebohrt ist wird ein neuer mit dem Bohrgestänge verschraubt.

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A