FAQ

Entstehung und Vorkommen von Erdwärme:

Was ist Erdwärme?

Erdwärme ist die im Erdinneren gespeicherte Wärme immensen Umfangs, die jedoch nur zu einem verschwindend kleinen Anteil genutzt werden kann. 99 % des Erdballs sind heißer als 1.000 °C. Im Erdkern werden Temperaturen von bis über 5000 °C angenommen. Nur gerade ein Tausendstel der Erdmasse, nämlich die obersten 3 Kilometer, sind kühler als 100 °C. In der Erdkruste, welche unter Kontinenten durchschnittlich 30 Kilometer dick ist, nimmt die Temperatur pro 100 Meter um etwa 3 Grad zu. Im Oberrheingraben sind es etwa 4–7 Grad pro 100 Meter, was die Standorte dort attraktiv macht. Von der Oberfläche strahlt Erdwärme mit einem mittleren Wärmestrom von 0,065 Watt pro Quadratmeter in den Weltraum ab.

Wie entsteht Erdwärme?

Ein Teil dieser Wärme entstand bei der Zusammenballung der Erde aus kosmischem Staub vor rund 4,5 Milliarden Jahren und ist bis heute vorhanden. Ein großer Teil der Wärme wird jedoch laufend durch den natürlichen Zerfall von Schwermetall-Isotopen erzeugt und erhält den Wärmevorrat trotz dauernder Abstrahlung von Wärme in den Weltraum aufrecht.

Wie viel Erdwärme gibt es in Deutschland?

Der schon mit heutigen technischen Mitteln erschließbare Untergrund bringt eine Energiereserve, welche den gesamten Energiebedarf auf hunderte von Jahren nachhaltig sicherstellen kann. Die Beschränkung liegt nicht bei der vorhandenen Erdwärmemenge, sondern bei der Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Erschließungstechniken. Erdwärme ist auch in Deutschland eine regenerative Ressource (siehe TAB-Studie)

Wie groß ist die Erdwärmereserve der Welt?

Die nutzbare – mit heutiger Tiefbohrtechnik erschließbare – Energiereserve wird weltweit auf das rund 30-fache sämtlicher fossiler Reserven (Kohle, Gas und Öl) geschätzt. Aufgrund der zukünftig erschließbaren Mengen kann die Erdwärmereserve als unerschöpflich betrachtet werden. Die Hitze im Erdinneren ist der Motor, der seit über 4 Milliarden Jahren Kontinente verschiebt, sämtliche Gebirge der Welt auftürmt und Vulkane speien lässt. Natürliche radioaktive Zerfallsprozesse im Erdinneren erhalten die Temperatur seit Milliarden von Jahren.

 

Weshalb ist Erdwärme so attraktiv?

Wann ist Erdwärme verfügbar?

Erdwärme ist immer verfügbar. Im Gegensatz zu anderen nachhaltigen und CO2-freien Energiequellen ist die Nutzung weder von Tageszeit noch von Wetter oder Klima abhängig. Sie kann jederzeit nach Bedarf und nicht nur nach Angebot gebraucht werden.

Wo ist Erdwärme verfügbar?

Anders als die fossilen Reserven sind Erdwärmereserven praktisch an jedem Ort der Erde vorhanden. Bis heute wurde die Erdwärme vor allem dort genutzt, wo man am wenigsten tief danach bohren musste. Das sind in der Regel vulkanische Gebiete. Außerhalb vulkanischer Gebiete ist die Temperaturzunahme von Region zu Region unterschiedlich. In Regionen mit einem hohen Temperaturgradienten wie im Oberrheingraben muss man deshalb weniger tief bohren um nutzbare Temperaturen zu erreichen.

Wie kann man Erdwärme speichern?

Erdwärme braucht nicht gespeichert zu werden. Die Erde ist der Speicher. Sie kann je nach Bedarf produziert werden.

Kann man Erdwärme transportieren?

Ja, zum Beispiel mit Fernwärmeleitungen. Transportdistanzen über hunderte von Kilometern wie für Erdöl und Erdgas oder auch Elektrizität braucht es nicht. Kaum ein Primärenergieträger kann so nahe dem Verbraucher gewonnen werden wie Geothermie.

Braucht eine Erdwärmeanlage viel Platz?

Nein. Der größte Teil der Anlage befindet sich unsichtbar unter der Erde. Meist zeugt nur ein Schachtdeckel von der Anwesenheit einer Tiefbohrung. Die Größe der oberirdischen Apparaturen ist mit konventionellen thermischen Heiz-Kraftwerken vergleichbar. Geothermische Anlagen sind kompakt, der Flächenverbrauch ist deutlich geringer als für andere erneuerbare Energien.

Wie wird Erdwärme gewonnen?

Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Methoden, mit denen Erdwärme gewonnen werden kann:

Erdwärmesonden: Erdwärmesonden sind geschlossene Rohrsysteme, die in Pfählen von einigen Metern oder Bohrungen bis zu einigen hundert Metern Tiefe in den Boden eingebracht werden. Das zirkulierende Wasser entzieht dem umgebenden Boden Wärme. Mit einer Wärmepumpe wird die Wärme dem Sondenkreislauf entzogen, auf ein höheres Temperaturniveau gebracht und zur Beheizung von Gebäuden gebraucht.

Wärmeentzug aus Thermalwasser: Im Oberrheingraben können heiße Tiefengrundwässer mit Bohrungen angezapft werden. Dem Wasser wird die Wärme entzogen und zum Heizen gebraucht. Das abgekühlte Wasser wird mit einer weiteren Bohrung in den Grundwasserleiter zurückgeführt.

Petrothermale Geothermie oder EGS: In einer Tiefe von 4–6 Kilometern herrschen Temperaturen von 150 bis über 200 Grad Celsius. Mit Tiefbohrungen wird kaltes Wasser in das Gestein gepresst. Weitere Bohrungen nehmen das durch künstlich erweiterte Klüfte gepresste Wasser wieder auf und fördern es an die Oberfläche. Auf diesem Temperaturniveau können über einen Wärmetauscher Wärme und und mit einem Sekundärkreislauf Strom produziert werden. Das abgekühlte Wasser wird im geschlossenen Kreislauf wiederum ins heiße Reservoir zurückgeführt.

 

 

Wie umweltschonend ist Erdwärme?

Entstehen bei der Nutzung Schadstoffe?

Da keine Verbrennung stattfindet, werden keine Abgase freigesetzt. Die Wärmegewinnung ist ein physikalischer und kein chemischer Prozess. Beim Wärmeentzug aus Thermalwasser können sich natürliche Stoffe im Fels und Grundwasser lösen und an die Oberfläche gelangen. Da jedoch ausschließlich mit geschlossenen Kreisläufen gearbeitet wird, gelangen diese Stoffe wieder in den Untergrund zurück. Gelegentlich werden Ausfällungen in dazu vorgesehenen Filtern anfallen, die jedoch nicht belastender als irgendwelche Gesteinserosionsprodukte sind.

Schont Erdwärme die Umwelt mehr als Heizöl?

Ja, es handelt sich nicht nur um eine CO2-freie Energiequelle, sondern auch um eine einheimische Quelle, welche umweltbelastende Transporte überflüssig macht.

Trägt Erdwärme zur Erwärmung der Erde bei?

Nein. Mit jeder geothermischen Installation, welche einen Verbrennungsprozess ersetzt, wird die Atmosphäre von künstlich erzeugten Abgasen entlastet.

Kühlt Erdwärmenutzung die Erde ab?

Nach einer Produktionszeit von 20 Jahren sinkt die ursprüngliche Temperatur im Reservoirbereich um die Reinjektionsbohrung herum um bis zu 15 %. Die Produktionsbohrung in entsprechendem Abstand wird nicht abgekühlt. Wird dieses Erdwärmefeld nach 100 oder 200 Jahren verlassen, fließt aus dem unerschöpflichen Reservoir der Erde die Wärme wieder nach und stellt den ursprünglichen Zustand wieder her. Im Gegensatz zur Förderung fossiler Ressourcen erholen sich genutzte Reservoire wieder. Auf die Gesamtwärmebilanz des Untergrundes sind die so erzeugten Wärmesenken vernachlässigbar. Die Abkühlung im Reservoir ist auch nach oben eng begrenzt. Das heißt, dass zum Beispiel über dem Reservoir einer Geothermie-Anlage weiterhin Erdwärmesonden unbedenklich installiert und betrieben werden können.

Hat die Erdwärmenutzung einen negativen Effekt auf das Pflanzenwachstum?

Mit dem Gebrauch der Erdwärme wird keine für Flora und Fauna benötigte Energie entzogen. Bis in eine Tiefe von rund 20 Metern wird die Bodentemperatur durch die Sonneneinstrahlung und die mittlere Temperatur der Klimazone dominiert. Das Pflanzenwachstum wird vollständig von diesen Einflüssen bestimmt. Der Erdwärmefluss ist zu gering, um in diesem Tiefenbereich eine messbare Temperaturveränderung zu bewirken. Eine Senkung der Erdtemperatur in tieferen Bereichen ist an der Oberfläche nicht feststellbar.

Gefährdet die Erdwärmenutzung das Grundwasser?

Nein. Über 90 % des genutzten Grundwassers wird aus oberflächennahen Lockergesteinen gefördert. Bei jeglicher Bohrung durch genutzte Grundwasserhorizonte gilt es, eine vertikale Zirkulation von Wässern aus anderen Grundwasserhorizonten zu vermeiden. Grundwassermesstellen, Standrohre, und Zementation der Verrohrungen sind erprobte Methoden in der Bohrtechnik, um das Grundwasser zu schützen.

Werden mit der Erdwärme giftige Stoffe an die Oberfläche befördert?

Beim Entzug von Tiefengrundwasser können giftige Gase wie zum Beispiel Schwefelwasserstoff vorkommen. Wenn das geförderte Wasser jedoch nicht zur Entgasung kommt und in geschlossenen Rohren über Wärmetauscher geführt und danach wieder in den Tiefengrundwasserleiter zurückgeführt wird, entsteht an der Oberfläche keine Belastung der Umgebung mit toxischen Stoffen.

Werden radioaktive Substanzen an die Oberfläche gefördert?

Das Gestein im tiefen Untergrund ist kristalliner Natur. Das heißt, es entstand vor Millionen Jahren aus einer Gesteinsschmelze. Ähnliches Gestein findet man in unseren Mittelgebirgen, z. B. im Schwarzwald oder den Vogesen an der Oberfläche. Solche Gesteine haben tatsächlich eine höhere natürliche Radioaktivität als Ablagerungsgesteine. Allerdings ist die Strahlung vernachlässigbar klein. Das aus kristallinem Gestein geförderte Wasser ist nicht radioaktiver als Quellwasser aus den Gebirgsmassiven.

Werden korrosive Wässer an die Oberfläche gefördert?

Unter Umständen ja. Entsprechend widerstandsfähige Stahlsorten für Wärmetauscher, Pumpenkörper, Rohre, Ventile müssen verwendet werden. Dichtungen werden aus chemisch beständigen Kunststoffen gefertigt. 

Gibt es Dampfschwaden und Geruchsbelästigungen?

Bei geschlossenen Zirkulationssystemen wird kein Dampf abgelassen. Gelöste Gase wie Schwefelwasserstoff (Geruch nach faulen Eiern) werden im abgekühlten Wasser in den Untergrund zurückbefördert. Beim Test der Bohrungen entsteht für wenige Tage Dampf, da noch kein geschlossener Kreislauf vorhanden ist.

Muss man große Kühltürme bauen?

Große ältere Geothermiekraftwerke wie in Laderello (Italien) benutzen noch Kühltürme ähnlich wie bei konventionellen thermischen Kraftwerken. Moderne geothermische Kraftwerke sind in der Regel kleiner (kleiner 100 MWe), wobei zur Kühlung meist Luftkondensatoren verwendet werden. Die heute üblichen Kühlsysteme mit Luftkondensatoren sind klein, geräuscharm und emittieren keine Dampfschwaden. Zudem ist der Kühlbedarf bedeutend geringer, wenn die Anlage als Heizkraftwerk (Kombikraftwerk) konzipiert ist.

 

Wie gesichert ist die Versorgung aus Erdwärme?

Wie lange reichen die Erdwärmereserven?

Die Reserve an sich ist nach menschlichem Ermessen unerschöpflich. Die erschließbare Reserve ist eine Frage der jeweiligen technischen und wirtschaftlich vertretbaren Möglichkeiten. Nach heutigem Stand der Technik wird das global erschließbare Wärmereservoir auf das 30-fache sämtlicher fossiler Energiereserven geschätzt.

Wie stark wird Erdwärme in Deutschland bereits genutzt?

Die Zahl der mit Erdwärme versorgten Haushalte in Deutschland nimmt jährlich stark zu. Etwa 25.000 Haushalte werden mit Tiefer Geothermie versorgt, vor allem im Raum München. Etwa 300.000 Erdwärmepumpen für Einzelgebäude sind deutschlandweit bereits in Betrieb. Für Informationen zu den Projekten der Tiefen Geothermie in Deutschland werfen Sie einen Blick in die Projektliste auf der Homepage des Bundesverbandes Geothermie.

Kann man sich auf Erdwärme alleine verlassen?

Erdwärme ist die zuverlässigste aller Energiequellen. Sie steht jederzeit nach Bedarf zur Verfügung. Für eine Fernwärmenetz muss für den Fall von Wartungsarbeiten oder den Ausfall der Erdwärme-Anlage eine Redundanz geschaffen werden, z. B. ein Heizöl-Kessel. 

 

Wie sicher ist Erdwärme?

Gibt es ein Unfallrisiko?

In der Betriebsphase einer geothermischen Anlage gibt es keine spezifischen Unfallrisiken. Während der Bohrphase bestehen abschätzbare Risiken von oberflächlichen Verschmutzungen und ungewünschte Entgasungen. Sicherungsmaßnahmen gegen solche Ereignisse werden bei jeder Bohrung und durch den Bau wasserdichter Bohrplätze routinemäßig angewandt.

Können bei Stimulationsmaßnahmen kleine Erdbeben ausgelöst werden?

Mit der Injektion von Wasser in den Untergrund wird lokal der Porendruck im Gestein erhöht. Dadurch werden bestehende Haarrisse und Klüfte im Gestein erweitert. Dies erzeugt lokale Instabilitäten, die sich in kleinen Erschütterungen äußern und mit hochempfindlichen Geräten in Bohrlöchern registriert werden können. Die bei der Injektion verwendete Energie ist im Gegensatz zu spürbaren Erdbeben verschwindend klein. Natürliche Kleinstbeben werden in vielen Regionen täglich registriert. Es ist nicht auszuschließen, dass mit einer lokalen Porendruckänderung eine aufgestaute Gebirgsspannung vorzeitig gelöst wird. In einem solchen Falle kann ein seismisches Ereignis mit der Injektion von Wasser in Zusammenhang gebracht werden. Ein Ereignis, das jedoch ohne Fremdeinwirkung nach einem weiteren Spannungsaufbau und einer umso größeren Relaxationsenergie zu einem späteren Zeitpunkt eingetreten wäre.

Wie viel Platz beansprucht Erdwärmenutzung?

Sehr wenig. Der größte Teil der Anlage befindet sich unsichtbar unter der Erde. Meist zeugt nur ein Schachtdeckel von der Anwesenheit einer Tiefbohrung. Die Größe der oberirdischen Apparaturen ist ähnlich zu konventionellen Verbrennungssystemen. Erdwärmesonden-Anlagen brauchen sogar deutlich weniger Platz, da Tankräume gänzlich entfallen.

Mit der heute gängigen Richtbohrtechnik können für Geothermie-Anlagen von einem Bohrstandort aus mehrere Bohrungen in verschiedene Zielgebiete abgeteuft werden.

 

Wie wichtig ist Erdwärme heute und morgen?

Welche Bedeutung hat Erdwärme für Deutschland?

Die Geothermie bietet in Deutschland die Möglichkeit, eine regenerative Energieversorgung mit einer weiteren einheimischen Ressource zu entwickeln. Außerdem kann es durch weitere Forschung gelingen, die Chance der Erdwärmegewinnung in weltweit führender Position weiterzuentwickeln. Das weltweit große Potential ermöglicht es, das Know-how gewinnbringend zu exportieren.

Welche Bedeutung hat Erdwärme weltweit?

Weltweit befinden sich Erdwärme-Kraftwerk an den Grenzen der Kontinentalplatten. Länder wie Neuseeland, Mexico, Philipinen, Indonesien, Island und USA sind führend. Auch in der Türkei wurde in den Jahren ab 2010 sehr viel gebaut. Im Strombereich sind 2015 weltweit etwa 12 GW geothermische Stromerzeugung am Netz. Das entspricht in etwa 15 Kernkraftwerken. Die Entwicklung der Geothermie in einen Massenmarkt wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Um sie als Erneuerbare Energie zur Ablösung fossiler Ressourcen rechtzeitig zu Verfügung stellen zu können, müssen heute die Projekte angeschoben werden.